Es mutet schon seltsam an, kaum wird ein Vorschlag veröffentlicht, der ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen beinhaltet – aktuell von der Klimakommission der deutschen Bundesregierung – schreien die freien Bürger auf wie viele Amerikaner, wenn es um ein Limit beim Waffenbesitz geht, da müssen Urinstinkte getroffen sein.

Zugegebenerweise habe ich eine Autogeschichte hinter mir (erst VW-Käfer, dann Renault 4, dann nix und dann Carsharing), bei der ich nicht bremsen musste, um 130 km in der Stunde zu fahren, sondern Vollgas geben, daher ist mir die Gefühlswelt hinterm Lenkrad bei Schwitzhänden und Tempo 220 auf der linkesten aller linken Spuren nicht so geläufig. Das führt nun wiederum dazu, dass mein Kopf frei ist von Gelüsten, ein kleiner Hamilton zu sein, nur weil ich in der Lage bin, superschnell mit einem SUV geradeaus zu fahren und dann noch weiß, wo sich die Lichthupe und ggf. mein Mittelfinger befindet. So fühle ich mich auch, vermutlich ein Gendefekt, wenn ich aus meinem Winterurlaub in Dänemark komme, tatsächlich vor der Grenze freier als Hierzulande. Auch ist mein Kopf frei für die Verarbeitung von Fakten, z.B. der Abnahme von CO² Ausstoß, der Abnahme der Unfallgefahr, die Zunahme des Verkehrsflusses, die nur unwesentliche Zunahme der Reisegeschwindigkeit in Bereichen mit Tempolimit, und der Abnahme von Stress durch gefühlt ungebremst von hinten auffahrende Geschosse.

Im Moment, weil nicht mehr durchsetzbar, gilt Richtgeschwindigkeit 130 auf deutschen Autobahnen, d. h. man darf schnell, wird aber ggf. anteilig haftbar gemacht, weil die Versicherungen regelmäßig von einer Teilschuld der Raser ausgeht. Wir möchten appellieren, dass die Stadtmobil-Gemeinschaft sich an diese Richtgeschwindigkeit hält und die Politik endlich Tempo 130 verbindlich einführt.