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Kleingärten? Experimentierfelder? Ich habe seit Jahren einen Kleingarten in der Döhrener Masch, eine Oase der Ruhe und Erholung, direkt am Großen Döhrener Teich gelegen. Im Prinzip dritte Reihe Seegrundstück, allerdings mit Tücken. 

Kleingärten – und die Summe an Erfahrungen 

Dieses Jahr war der See schon im Juni „umgekippt“, d.h. voller sogenannter Blaualgen – diese können Hautreizungen  erzeugen, das Wasser sollte nicht verschluckt werden und für Hunde kann ein ordentlicher Schluck tödlich sein.  „Kommt sehr früh, dies‘ Jahr,“ so Profiangler und Kleingärtner Peter, „…und das bei dem feuchten April, versteh‘ ich nicht.“

Während andere Kleingartenvereine freie Gärten auf der Homepage annoncieren, gibt es bei uns die Pegelstände von Koldingen und Herrenhausen als Frühwarnsystem gegen Hochwasser.
Genau vor 5 Jahren war es dennoch soweit, unsere Kleingärten in der gesamten Anlage standen unter Wasser, mein Garten auch, das Unheil kam aus dem Harz und drückte mit enormer Kraft das Wasser Richtung Laube, die jedoch von innen trocken blieb. Glück im Unglück, dennoch unvergessen! „So schnell war es noch nie,“ so Hochwasserexperte Eckart, „…verstehe ich nicht“.

In Zeiten der Pandemie, die ja immer noch wütet, wurde in vielen Kleingärten Vogelkunde populär. Ausgerüstet mit mittlerer Sachkenntnis und viel Enthusiasmus, machten wir uns ans Bestimmen, Beobachten und Zählen: „So wenig waren es noch nie“, so Ornithologin Sabine „muss an den fehlenden Insekten liegen“.

„Zufahrt nur für Pächter“! prangt es von gut lesbaren Schildern in der Kolonie, aber als Beitrag zu Hannoveraner Experimentierfeldern versuchen auch Freunde und Angehörige der jeweiligen Gartenfreunde und Ausflügler mit ihren SUV’s direkt vors Blumenbeet oder  an den Strand des Dreiecksteichs zu fahren.

All das führt für sich allein genommen nicht zu solchen Katastrophen wie der in der Eifel und anderswo, in Summe allerdings werden Zusammenhänge klar und es wird deutlich, wie leichtfertig und gedankenlos wir der Klimakatastrophe entgegentaumeln. Allerdings auch, das etwas hilft: Empathie und Einsatz, Hilfsbereitschaft und Nachdenken, Nisthöhlen für die Vögel, Insektenhotels und Fahrrad, CarSharing wenn es keine andere Möglichkeit gibt, und vieles Anderes.

Aber auch das sei klar gesagt: Das was jede*r von uns tut, muss unterstützt werden von Politik, die Initiativen fördert, die auch in Wahlzeiten etwas wagt und Experimente durchzieht, die das Wort Verkehrswende nicht als Schimpfwort begreift und die Spitze der Bewegung übernimmt. Es ist machbar…

Andreas Krämer, Geschäftsführer stadtmobil Hannover
Kleingärten in Hannover, hier an der Döhrener Masch